Ergometrie


Unter einer Ergometrie versteht man die Ableitung eines Ekgs unter Belastungsbedingungen. Hierzu stehen überwiegend zwei Verfahren zur Verfügung. Im europäischen Raum werden die Patienten zumeist auf einem feststehenden Fahrrad belastet, welches entweder stufenweise oder kontinuierlich ansteigend mehr Widerstand bietet. In Amerika wird sehr viel häufiger ein Laufbandtest durchgeführt, wobei der Patient immer schneller gehen bzw. laufen muss.

Die Ergometrie dient hauptsächlich zur Feststellung einer Durchblutungsstörung unter Belastung, welche in Ruhe noch nicht vorhanden sein muss. Man macht sich hierbei die Veränderung des EKG´s unter Belastung zu Nutze.

Ein unverändertes EKG auch unter maximaler Ausbelastung spricht in großem Maße gegen eine bedeutsame Eingengung der Herzkranzgefäße.

Allerdings gibt es Einschränkungen hinsichtlich der Aussagefähigkeit sowohl in der Richtung, dass eine vorhandene Herzkranzgefäßerkrankung übersehen wird, als auch in der Richtung, dass Patienten und hier insbesondere Frauen (wahrscheinlich durch hormonelle Unterschiede bedingt) fälschlicherweise als krank angesehen werden. Man muss sich dabei vor Augen führen, dass es sich um eine indirekte Messung der Durchblutung unter Belastung sozusagen um eine Übersetzung eines Phänomens in ein anderes handelt:

Bestimmen wollen wir den Blutfluss etwas salopp gesprochen: rot, warm und flüssig, was wir mit einer Ergometrie bekommen ist ein Ausdruck auf Papier: kalt, trocken und schwarz/weiß.

Auch hier gilt erneut wie wichtig die Krankheitsvorgeschichte und die Beschwerdeschilderung ist um ein Ergometrieergebniss richtig einzuordnen. Dies sei an den beiden Gegensätzen erklärt:

Bei einer 30 jährigen nicht rauchenden Patientin mit stechenden Brust-Schmerzen, die überwiegend bei bestimmten Bewegungen auftreten wird auch eine ausgeprägte an sich typische EKG-veränderung unter Belastung zunächst zu weiteren nicht eingreifenden Untersuchungen führen. Bei einem 60 jährigen Mann mit langer Rauchervorgeschichte und drückenden oder brennenden Beschwerden unter Belastung oder bei kalten Temperaturen sollte auch eine unauffällige Ergometrie nicht dazuführen den Patienten beruhigt nach Hause zu schicken. Es handelt sich wie bei allen anderen Untersuchungen um einen Baustein. Allerdings ist die Aussagekraft naturgemäß viel höher als die eines reinen Ruhe EKGs, denn häufig werde ich mit der Aussage konfrontiert: Das Ruhe EKG meines Mannes war noch vor 2 Wochen völlig in Ordnung und jetzt bekam er dennoch einen Herzinfarkt. Neben der reinen Herzinfarktvorhersage spielt die Ergometrie aber auch in der Leistungsdiagnostik ein Rolle, weil sich hier sehr verlässlich die Belastbarkeit feststellen lässt, was vor allem zur Überprüfung der eigenen Empfindungen der Patienten wichtig ist. Sehr wertvolle Aussagen können über den Verlauf bei mehrfachen Untersuchungen in kürzeren oder längeren Abständen gewonnen werden. Hier lassen sich sehr sensibel negative Veränderungen zum Beispiel bei bypassoperierten Patienten finden auch wenn die Patienten noch beschwerdefrei sind.

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